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archiv.luzart 2008/2009/2010

Nach-Lese zum Jodlerfest

Feuerwerk (alle Fotos von ROBERT HABIJAN)

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Jodlerfest (alle Fotos von ROBERT HABIJAN)

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Impressionen (alle Fotos von JOSEPH BIRRER)

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War da was? Ach ja, die EURO 08, die gigantische Veranstaltung von Heineken, Coca Cola, Master Card, McDonalds und last but not least von Sepp Blatters Gelddruckmaschine FIFA. Doch zeitgleich mit dem sich während vier Wochen auf den Höhepunkt zuspitzenden Endspiel um den europäischen Fussballmeister fand in Luzern ein Anlass statt, der während drei Tagen die Wadenbeine von Ballack, Ronaldo und wie sie alle heissen, vergessen liess. Es war, als ob ein Schalter umgelegt worden wäre, der schlagartig alle Diskussionen um Penalty oder nicht Penalty aus unserer Wahrnehmung ins Offside verwies. Und das tat gut. Sehr gut sogar.

Statt der nach einem Monat langsam aber sicher nervtötenden Diskussionen um Köbi Kuhn, Köbi Kuhns Alice und Köbi Kuhns Heiligsprechung wurde in der Leuchtenstadt plötzlich nur noch von Juchzen, Jodeln, Fahnenschwingen und Alphornblasen geredet. Für einmal wurde in Luzern nicht gekleckert sondern geklotzt: Rund um den Bahnhof, das Inseli, die Seebrücke und Luzernerquai verwandelte sich die Stadt am Fusse des Pilatus für das «Eidgenössische Jodlerfest 2008» in eine einzigartige, urbane Jodlerwiese mit Zelten und Ständen und mobilen Toilettenhäuschen und der – sofern das stimmt – «längsten Bar der Welt» auf der Seebrücke.

Selbst Petrus war dem Jodlerfest gnädig gestimmt und bescherte sowohl den Akteuren des Festes wie auch den Zuschauerinnen und Zuschauern das prachtvollste Sommerwetter, das man sich vorstellen kann. An jedem der drei Tage wälzten sich unglaubliche Menschenmassen – am Samstag sollen es gar 160'000 Personen gewesen sein – über das Festgelände. Ab und zu, zum Beispiel am frühen Samstagnachmittag, war an gewissen neuralgischen Schwachpunkten (Luzernerquai, Bahnhofstrasse) absolut kein Durchkommen mehr. Vorwärts ging’s nicht mehr weiter, und rückwärts schon gar nicht. Ob sich die mitgeführten Hunde in diesem Gedränge wohl gefühlt haben, darf bezweifelt werden. Auch die vielen jungen Damen mit den Kinderwagen werden es sich in Zukunft vermutlich zweimal überlegen, mit Kind und Kegel und Kinderwagen Grossanlässe wie das Jodlerfest im dichtesten Gedränge abzulatschen.

Das Bemerkenswerteste des Eidg. Jodlerfestes in Luzern aber war, wie unglaublich fröhlich und friedlich diese drei Tage über die Bühne gingen. Nach all den Bahnhofschlachten zwischen Polizei und den Fussball-Hooligans rund um die FCL-Spiele, während denen man kaum mehr den Bahnhof zu betreten wagt, tat es vermutlich vielen Luzernerinnen und Luzernern gut, endlich mal ein würdiges Publikum in der Stadt zu wissen, dessen man sich nicht zu schämen brauchte und vor dem man nicht einen einzigen Augenblick Angst hatte. Die für Festanlässe dieser Grössenordnung üblichen Beschädigungen blieben gemäss Aussagen der Luzerner Behörden ebenfalls aus.

Auch die Gastrounternehmen dürften mit dem Jodlerfest rundum zufrieden sein: wer sein Haus während den drei Tagen nicht berstend voll hatte, muss irgendetwas falsch gemacht haben (hallo Casino!). Denn anders als an der EURO blieben die Schweizer am Jodlerfest bis zum Finale am Sonntag im Spiel.

3.7.2008 / Joseph Birrer